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Samstag, 5. September 2009

Lahn-Leichen / Tag X

Gestern war es also soweit, ab 18.00 Uhr standen wir in der Blackbox auf dem Marktplatz in Biedenkopf und neun Autoren lasen aus den Lahn-Leichen. Ich bin jetzt noch ganz entzückt, wie super sie das allesamt gemacht haben, waren doch einige darunter, die gestern ihre erste Lesung vor vollem Haus bestritten haben. Und das Haus - bzw. die Blackbox - war voll. Zwischendurch zählte ich trotz Sauwetter über 30 Anwesende, womit die Sitzgarnituren komplett ausgelastet waren.

Volle-Huette-1
Volle-Huette-2

Das Wetter war, wie gesagt, mistig, wir erlebten einen mächtigen Regenguss in Bild und Ton, aber gegen die festen Stimmen der AutorInnen kam auch er nicht an.

Gleich ein paar Bilder, die mir leider nicht so toll gelungen sind. Ich schiebs mal auf meine Kamera und das besch... Licht in der Blackbox, die von einem transparent-schwarzen Gewebe umgeben war. Nicht unsexy, aber für meine Foto-Laien-Ausstattung eher doof, zumal das schnell improvisierte Licht der Strahler, weils wetterbedingt plötzlich stockduster innen wurde, ein bisschen arg grell leuchtete.

Aber - tolle Sache, tolle Menschen, tolle knapp zwei Stunden, Wetter hin oder her. Ich bin noch immer ganz rührselig.

Bevor wir an der Reihe waren, wanderten seltsame, aber bekannte Gestalten über den Marktplatz und um die Blackbox herum. Literarische Figuren, wie man unschwer erkennen konnte, die von einer regionalen Theatergruppe dargestellt wurden (ich habe leider vergessen, wie sie heißen). Das Ganze war gekoppelt an ein Gewinnspiel, in dem es drei der Figuren zu erraten galt. Sind sie nicht klasse?

Det-1
Det-2

Dann waren die Lahn-Leichen am Zug.

Thomas Riedl aus Wallau a.d. Lahn machte den Anfang und las aus dem Krimiwettbewerbs-Sieger "Ländliche Idylle". Man spürte mit jedem Wort, wie gerne er liest, und er hat das super gemacht. Thomas hat übrigens ein eigenes Buch im vergangenen Jahr herausgebracht: <b>Die 5. Fahrt. Unbedingt kaufen und lesen.

Thomas

Ihm folgte Ulla Wraneschitz mit ihrem Krimi "Abgetaucht". Sie ist nicht nur die Bildspenderin für das Lahn-Leichen-Cover, sie hatte auch für die verschiedenen Perspektiven ihrer Story Utensilien mit am Pult: Eine Polizeimütze für den Kommissar, eine Flosse für den Mörder und eine Sonnenblume für die Schöne. (Die steht jetzt in einer Vase in meiner Küche, danke ;))

Ulla

Heinz Plößer löste ab. Der in Frankfurt lebende Autor ist in den Lahn-Leichen mit zwei Kurzkrimis vertreten und las aus "Aprilscherz". Ich hatte meine helle Freude daran, ihm zuzuschauen, wie er dort so lässig mit Hut und ganz wie ein Vollblutschriftsteller stand und präsentierte.

Heinz

Die schöne Doris Preusche kam anschließend nach vorne und las aus ihrem Krimi "Fliegenfischer". Absolut souverän, und als würde sie den lieben langen Tag nichts anderes machen, trug sie vor und hatte sichtlich Spaß dabei. Doris ist übrigens - so wie ich - eine Mörderische Schwester.

Doris

Und auch Janka Schnell ist eine Mörderische Schwester (die übrigens mit Kurt Siewers auf dem Sofa saß), die nun kam, im Gepäck einen Ritterhelm, und aus ihrem Kurzkrimi "Ritterspiele" vorlas.
Von der Mutter des Elektrischen Beichtstuhls hätte man natürlich auch nichts anderes erwartet, als dass sie darüber berichtet, wie man unliebsame Zeitgenossen charmant loswird. Obwohl - verraten hat sie's nicht komplett ;)

Janka

Frau Dr. Ingeborg Guba folgte auf dem Fuße. Wir beide kennen uns schon von einer gemeinsamen Lesung aus dem Jahr 05 in Marburg und ich wusste um ihr Talent, Lesungen szenisch zu gestalten. So auch gestern, während sie - ohne Mikro - aus "Projekt Rotkäppchen" vortrug. Am Ende durften Thomas Riedl und ich je ein Glas Tomatensaft - wahlweise mit Pfeffer oder Gift gewürzt - genießen. Ich lebe noch, und wie geht's dir, Thomas?

Guba1
Guba2

Anschließend betrat Regina Appel das Rampenlicht und las professionell lässig aus ihrem Kurzkrimi "Walfänger" vor. Regina kommt aus Gießen und hat dort übrigens die "Crime Time" und die Buchhandlung "Miss Marple´s" im Auge. Wie wir sehen - wir Hinterländer sind doch nicht so weit weg vom Schuss. Sie überreichte mir am Ende ein süßes Geschenk, das jetzt auf meinem Schreibstisch steht. Ein Frühstücksbrettchen mit einer messerscharfen Braut - total passend, wie ich finde ;) Vielen vielen Dank noch mal dafür.

skfAF9F
Regina

Danach hörten wir aus "Tod unterm Steilhang" von Diana Müller, die fast um die Ecke wohnt (Kleingladenbach) und neben Krimis eine Leidenschaft fürs Gärtnern hat. Sie ist eine ganz Aufmerksame, die mich gerade darauf stieß, dass mir ein peinlicher Fehler im Blog unterlaufen ist. Ganz lieben Dank dafür :)

Diana

Zuletzt las Michael Schmidt aus Dautphe aus seinem Kurzkrimi "Eisenköpfe". Sehr souverän, so dass ich jetzt noch staune, denn der Krimi ist seine erste Veröffentlichung, und wenn er mir nicht verschwiegen hat, dass er anderweitig ständig vor Publikum liest, dann hat er sein Debüt mir Bravour über die Bühne gebracht. Nur gut, dass er nicht - wie er so freundlich anbot - zugunsten anderer zurückstecken musste, es wäre sehr schade gewesen.

Michael

Dann war's zu Ende, die Autoren brachen auf. Ich packte hastig alles ein, ein paar Worte noch hier und da gewechselt, Hände geschüttelt, mich bedankt und wie unter Drogen ob der tagelangen Aufregung, die ich mich völlig im Griff hatte, und stürzte dann noch in die Tiefgarage der Sparkasse, um einen Teil der Polizei-Poeten mitzubekommen, die ja schon einige Bücher herausgebracht haben.
Ich muss gestehen, dass mich die Lesung von Volker Uhl ziemlich bestürzt hat. So aus dem ganzen Stress des Krimis kommend, besudelt mit fiktivem Blut und Pseudo-Gewalten ... hiernach in die Realität des Polizeialltags zu tauchen ... das war schon hart. Sonst bin ich nicht so ein Weichei, aber nach einer Stunde musste ich heim. Abschalten.
Umso mehr jedem die Bücher ans Herz legen.

Und jetzt: Wochenende ;)

Auf auf, kauf!

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